Balkonkraftwerk und Eigenverbrauch: Warum nicht jede erzeugte kWh gespart ist
Von Ferdinand · Stand:
Der häufigste Denkfehler: Erzeugung gleich Ersparnis
Viele Rechnungen gehen so: Die Anlage erzeugt 700 kWh im Jahr, Strom kostet 35 Cent, also spare ich 245 €. Das stimmt nur, wenn du jede einzelne Kilowattstunde selbst verbrauchst.
In der Praxis sieht ein sonniger Tag anders aus: Mittags liefern die Module zum Beispiel 600 W, dein Haushalt braucht in dem Moment aber nur 150 W. Die übrigen 450 W fließen ins Netz. Dafür bekommst du bei einem Balkonkraftwerk kein Geld.
Die richtige Rechnung lautet deshalb:
Ersparnis = Erzeugung × Eigenverbrauchsanteil × Strompreis
Was die Grundlast damit zu tun hat
Die Grundlast ist der Strom, den dein Haushalt immer braucht, auch wenn niemand zu Hause ist: Kühlschrank, Router, Standby-Geräte, Heizungspumpe. Laut Umweltbundesamt liegt sie in vielen Haushalten unter 100 W.
Diese Grundlast läuft den ganzen Tag, also auch, während die Sonne scheint. Sie ist deshalb der Teil deines Verbrauchs, den ein Balkonkraftwerk am zuverlässigsten deckt. Alles darüber, also Waschmaschine, Herd oder Fernseher, nutzt den Solarstrom nur, wenn es zur richtigen Zeit läuft.
Daraus folgen zwei Regeln:
- Je höher deine Grundlast, desto mehr Solarstrom nutzt du selbst.
- Je mehr Module du hast, desto größer wird der Anteil, der mittags ungenutzt ins Netz geht.
So viel nutzt du wirklich selbst
Wir haben mit unserem Rechenmodell durchgerechnet, wie viel vom erzeugten Strom im Haushalt ankommt, ohne Speicher. Annahmen: München, Module senkrecht am Südbalkon, 35 Cent pro kWh. Den Verbrauch rechnen wir minutengenau, inklusive kurzer Lastspitzen.
| Jahresverbrauch | 2 Module: selbst genutzt | 2 Module: Ersparnis | 4 Module: selbst genutzt | 4 Module: Ersparnis |
|---|---|---|---|---|
| 1.500 kWh | 55 % | 135 € | 37 % | 168 € |
| 2.500 kWh | 74 % | 182 € | 53 % | 240 € |
| 3.500 kWh | 87 % | 213 € | 65 % | 298 € |
| 4.500 kWh | 95 % | 232 € | 75 % | 344 € |
Das Wichtigste an der Tabelle: In einem 2-Personen-Haushalt erzeugen vier Module fast doppelt so viel Strom wie zwei, sparen aber nur rund ein Drittel mehr. Der Rest landet im Netz, außer du speicherst ihn. Wann sich das lohnt, steht in unserem Artikel Balkonkraftwerk mit Speicher: Lohnt sich das?
Andere Quellen kommen teils auf niedrigere Anteile, etwa 33 bis 51 % im Rechenbeispiel des ADAC. Die Unterschiede entstehen durch andere Annahmen zu Ausrichtung, Anlagengröße und Verbrauchsprofil. Genau deshalb lohnt es sich, mit den eigenen Werten zu rechnen.
So misst du deine Grundlast
Du brauchst dafür kein Spezialgerät:
- Nachts den Zähler ablesen. Notiere den Zählerstand zum Beispiel um 1 Uhr und um 5 Uhr, wenn alles schläft. Teile die Differenz in kWh durch 4 und nimm sie mal 1.000. Das Ergebnis ist deine Grundlast in Watt.
- Digitalen Zähler nutzen. Moderne Zähler zeigen die aktuelle Leistung an, oft nach Eingabe einer PIN, die du beim Messstellenbetreiber bekommst.
- Einzelne Geräte prüfen. Ein Steckdosen-Messgerät zeigt, welches Gerät wie viel zieht. So findest du auch unnötige Stromfresser.
So erhöhst du deinen Eigenverbrauch
- Große Verbraucher mittags laufen lassen: Wasch- und Spülmaschine mit Startzeit-Vorwahl auf die Mittagszeit legen.
- Akkus tagsüber laden: E-Bike, Laptop, Akkugeräte.
- Anlage passend wählen: Bei kleinem Verbrauch reichen oft zwei Module. Mehr Module lohnen sich vor allem mit Speicher oder hohem Tagesverbrauch.
- Ost oder West bewusst nutzen: Strom am Morgen oder Nachmittag passt oft besser zum Verbrauch als die Mittagsspitze.
Rechne mit deinem Verbrauch
Unser Balkonkraftwerk-Rechner zeigt Erzeugung und selbst genutzten Strom getrennt an. So siehst du sofort, was davon wirklich auf deiner Stromrechnung ankommt. Kostenlos und ohne Anmeldung.
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